Lesung in Meran/Südtirol am 2. Oktober 2009



Zu absolut nachtschlafener Zeit (5.15 Uhr, für mich knapp nach Mitternacht) begebe ich mich ...


... zum Flughafen, wo ich eine superkleine Maschine der AUA besteige...


... und zu einem 40-minütigen Hupfer nach Innsbruck in Tirol abhebe (im Bild die berühmte Berg-Isel-Schanze, bekannt von der Vier-Schanzen-Tournee).


Ich lande auf einem ebenso superkleinen Flughafen ... er fasziniert mich, scheint er doch sein Einkommen hauptsächlich als Parkplatz für - teilweise sehr teure - Privatmaschinen zu verdienen.


Bis zur Weiterfahrt habe ich eineinhalb Stunden Zeit, als mache ich mich auf den Weg in die Innenstadt von Innsbruck, der Hauptstadt von Tirol. Sie ist mit 120.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt Österreichs.


Gestärkt mit einer Käseleberkässemmel (für mich ist ja quasi schon Mittag :))), bewundere ich die erste Sehenswürdigkeit, die Triumphpforte, die Kaiserin Maria Theresia 1765 errichten ließ - zum Gedenken an die Vermählung von Peter Leopold mit Maria Ludovica aus Spanien.


Auf der Maria-Theresienstraße, die
eigentlich ein Platz ist ...


... und zum Kern der Innenstadt führt,
aber wegen Umbauarbeiten nicht
fotografierbar war ...


... beeindrucken dann ganz tolle Fassaden.


Dann wird es richtig mittelalterlich eng ...


... mit dicken Mauern und Brunnen ...


... und dem historischen Rathaus aus
dem 15. Jahrhundert.


Durch Laubengänge ...


... vorbei bei Swarowski, DEM Exportschlager aus Tirol ...


... vor dessen Geschäft eines der vielen netten Autos steht, das wahrscheinlich einem der Besitzer der Privatflugzeuge gehört ...


... geht es zum berühmten Goldenen Dachl, dem Wahrzeichen von Innsbruck. Der mit 2657 feuervergoldeten Kupferschindeln bedeckte Prunkerker ...


... wurde unter Kaiser Maximilian I. von Hofarchitekt Niclas Türing d. Ä. um 1500
errichtet und ist einzigartig in Europa.


Im Viertel rund um die ehemalige Burg
gäbe es noch viel zu besichtigen ...


... aber es geht sich nur mehr ein flüchtiger Blick auf die Residenz aus ...


... denn schon geht es weiter mit dem Zug nach Italien durch die beeindruckende Kulisse des Alpenhauptkammes.


In Südtirol dann Sonnenschein und bezaubernde Weinberg-Terrassen.


Und es ist zweisprachiges Gebiet - als Österreicherin frage ich mich, warum funktioniert das in Kärnten nicht?


Nach dem Umsteigen in Bozen geht es Richtung Westen durch ein einzigen Obstgarten!


Der Bahnhof von Meran - und sofort ist klar, es handelt sich dabei um eine liebevoll gepflegte Kurstadt.


Vor dem Bahnhof empfängt den Besucher der in Nord-, Ost- und Südtirol allgegenwärtige Andreas Hofer, gefeierter Befreiungsheld (gegen die Franzosen 1809), aber es ging vor allem auch gegen Neuerungen (etwa in katholischen Glaubensfragen), die die Bayern und Franzosen durchführen wollten.


Dann geht es ins Zentrum, wo mich gleich einmal das Städtische Theater (eröffnet 1900) empfängt - eines der Symbole für die große Zeit Merans als Kurstadt von den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.


Die Stadt an der Passer wurde durch zwei Besuche von Kaiserin Elisabeth von Österreich 1870 bis 1872 zum Plichtort der europäischen Society.


Ich bin im noblen Meraner Hof untergebracht ...


... wo der Geist dieser Zeit noch kräftigt
weht.


Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt kaum bombardiert, weil die meisten Hotels Lazarette waren, also freue ich mich auf einen optisch erfreulichen Spaziergang - im T-Shirt! Es hat mittlerweile 25 Grad, eine Wohltat.


Bürgerhäuser ...


... und lockende Durchgänge.


Der Beginn der Laubengasse, erbaut von Meinhart II, Graf von Tirol, im 13. Jahrhundert als DIE Geschäftsstraße.
Und man beachte die Schuhauslage links - sie ist eine von unzähligen; Meran, das Schuhfetischisten-Paradies :)).


Die Lauben werden in "Berglauben"
(links am Berghang gelegen) und
"Wasserlauben" (Richtung Passer gelegen) unterteilt, sowie in die oberen und unteren Lauben, seitdem 1913 die Galileistraße aus verkehrstechnischen Gründen die Laubenreihe unterbricht. Bis dahin war sie die längste Tirols, nämlich 400 Meter lang.


Sie bestehen in der Regel aus Vorder-
und Hinterhäusern mit vielen Gängen
und Höfen und Treppen.


Alles in allem eine unglaubliche Augenweide.


Die Laubengasse endet am Pfarrplatz
mit der St. Nikolaus Pfarrkirche (14./15.Jht.),
mit ihrem über 80 Meter hohen Turm eines
der Wahrzeichen der Stadt.


Ein bissel weniger touristisch, aber sehr
heimelig aufgrund der sehr alten Bausubstanz, wird es dann hinter der Paffrkirche im
Stadtviertel Steinach.


Dort steht auch das Passeirer Tor,
ehemals Teil der Befestigung.


Dann geht es runter zum Ufer der Passer ...


... das Teilstück hier heißt Winterpromenade.


Nachmittag auf Kur.


Ein Stückchen weiter, nach dem Sandplatz, beginnt die Passerpromenande ...


... wo auch das Kurhaus steht (1874 und 1912-1914), DAS Wahrzeichen von Meran.


Und hier holt mich auch meine Kindheit ein - denn als 5-Jährige war ich schon einmal in Meran, auf dem Rückweg vom Badeulaub in Italien. Und natürlich war das Abgehen von Gebäuden für mich nicht so interessant, jedoch habe ich die Blumenskulpturen bis zum heutigen Tag nicht vergessen - und es gibt sie noch :)).


Nach all dem Sightseeing gönne ich mir eine Pizza. Was anderes gab's am späten Nachmittag nicht, italienische Mittagsruhe - aber sie war eine der besten, die ich je gegessen habe.


Und dann noch ein Schläfchen, denn immerhin hat mein Tag ja um 4.30 Uhr begonnen.


Der Eingang zur Stadtbibliothek von Meran, wo ich meine Lesung habe, ist relativ unscheinbar und liegt unweit des Stadttheaters, also in Gehweite des Hotels, was alles sehr praktisch ist.


Die einführenden Worte spricht Erna Pohl, Präsidentin des Bibliothekrates der Stadtbibliothek (Foto © Ernst Müller).


Ich führe in die Welt von Maria Kouba ein (Foto © Ernst Müller) ...


... und in dem arenaartigen Saal der Bibliothek fühle ich mich sehr wohl. Es wird eine gute Lesung.


Darauf wird natürlich angestoßen - (v.l.) Franzjosef Gufler (Bibliothekar, der mich eingeladen hat), Erna Pohl und Bibliothekarin Almut Surmann.


Am nächsten Morgen vervollständige ich meinen Meran-Spaziergang - hier bei der Thermenanlage.


Blick auf die Altstadt und die traumhaften Berge - Zeit für eine Wanderung wünsche ich mir.


Und die Meraner sind fleißig - ich habe
ja als Erste im Rahmen des Festivals
"Eiskalte Begegnungen" gelesen, es
dauert noch einige Wochenenden an.
Und schon wird Sabina Naber entfernt
und Stefan Slupetzky aufgeklebt. Mein
lieber Freund und Kollege liest die Woche
nach mir.


Besonders ins Auge springt die Heiligengeistkirche (ehemals Spitalkirche zum Hl. Geist - wegen des angeschlossenen Krankenhauses) aus dem 15. Jahrhundert.


Ich liebe Kirchen/Gotteshäuser/Andachtstätten - egal, welcher Konfession. Nur, dass Gläubige sie als Ausgangspunkt für (gewalttätige) Missionierung missbrauchen, das mag ich nicht.


Es geht wieder über die Passer in die Altstadt, in der der samstägliche Trubel noch den gemütlichen Frühstückskaffee abwarten muss.


Das Alte Rathaus ...


... dem gegenüber die Seilbahnstation liegt. Es geht auf den Segenbühel hinauf.


Inmitten der alles beherrschenden Weinreben wachsen im milden Klima Merans auch riesige Feigenbäume.


Ein phantastischer Ausblick erwartet mich ...


... der natürlich auch bei einem guten Kaffee genossen werden will :)).


Durch das Vinschger Tor aus dem 13. Jahrhundert, dem ältesten der Stadttore (man beachte die Bananenstaude im Vordergrund) geht es in die Stadt zurück ...


... dann vorbei an prächtigen Blumenanlagen ...


... und über den mondänen Corso de Libertà (Freiheitsstraße) ...


... wieder zum Bahnhof. Die Rückreise
beginnt. Während dieser Reise lese ich
eineinhalb 700-Seiten-Krimis ...


In Bozen habe ich für eine Stippvisite auf den Hauptplatz Zeit.


Die berühmte Inntalbrücke - beliebt bei Bungee-Jumper und Selbstmördern.


Am Flughafen in Innsbruck ist wieder zwei Stunden Warten angesagt ...


... es gibt nicht viel zu sehen oder zu erleben. Aber die Privatmaschinen in der Dämmerung machen wenigstens was her :))).


Und wie immer beeindruckt mich die Stimmung über den Wolken - in realitas konnte man sogar den von der Abendsonne beleuchteten Großglockner erkennen (für Nichtösterreicher: den höchsten Berg Österreichs).


Eines machte diesen Flug jedenfalls einzigartig: Er sollte um 19.20 Uhr starten (tatsächlicher Start 19 Uhr) und um 20.20 Uhr landen ... ein Bild (hier Flughafen Schwechat/Wien) spricht mehr als tausend Worte. Ein vorverlegter Flug ist mir noch nie passiert ...
 
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