Lesereise 3 Städte von 3. - 6. November 2011



Eine Lesereise, die nicht am Flughafen beginnt? Eine Seltenheit. Dieses Mal ist der Startpunkt der Wiener Westbahnhof, hier die Haupthalle, denkmalgeschützt von 1951. Und wie der Name schon sagt, es geht westwärts Richtung Salzburg und Bayern.


Da die nächsten vier Tage voll von Zugfahrten sind, bin ich voll mit Beschäftigung ausgerüstet ...


... und bei dem ewig trüben Novemberwetter mit entsprechender Aussicht ist das auch vonnöten.


In Salzburg erwartet mich dann allerdings überraschenderweise Sonnenschein! Und er stimmt mich wunderbar auf mein von mir gestecktes Ziel ein: die Lesereise auch als eine Art Kurzurlaub zu betrachten.


Blick auf die Saalach, die bei Salzburg in die Salzach mündet. Da möchte man gleich in die Berge abbiegen ...


Aber weiter geht es Richtung Nordwesten durchs weite Bayern - ein kleiner Umweg, denn eigentlich muss ich klar nach Norden nach Burghausen an der Salzach, aber die Bahnerbauer bevorzugten eine andere Streckenführung.


Ich freue mich auf den nächsten Umstieg, um Kaffee- und Toilettenpause machen zu können - und dann das: Tüssling.


Im gastronomischen und auch sonstigen (Beinahe)Niemandsland. Ich warne hiermit alle Reisenden vor, die jemals Gefahr laufen, in Tüssing umsteigen zu müssen.


So was von Nichts und Geschlossen ...


... dass nicht einmal die übliche Warnung wegen allein stehender Koffer und Bombengefahr und Polizeieinsatz erschallt ...


Und ich rede hier jetzt nicht von 5 oder
auch 15 Minuten Wartezeit auf den
Anschlusszug, sondern von fast einer
Stunde!!!


Das sind die Momente, in denen man sich so allerhand fragt - nicht nur, warum ausgerechnet hier ein eiskalter Wind blasen muss und es daher auch zu kalt ist, einfach hinter die Büsche aufs Klo zu gehen ...


Ich kann nur sagen: So etwas erschöpft
und frustriert. Ich bin in tiefgefrorenen
Schlaf gefallen.


Umso netter die Ankunft in Burghausen, einer Gemeinde mit knapp über 18.000 Einwohnern und sehr viel historischen Gebäuden - eine Sehenswürdigkeit an sich wie der Stadtplatz hier.


Untergebracht bin ich im Bayrischen Hof ebendort - sehr gemütlich.


Mein erster Gang führt hinauf zur
berühmten Burg von Burghausen ...


... die mit 1051 Metern Länge als
längste Burg Europas gilt.


Den Rundgang starte ich bei der Hauptburg im Süden, auch inneres Schloss oder erster Burghof genannt. Sie ist der älteste Teil der Burg mit den klassischen mittelalterlichen Teilen Palas, Dürnitz, Kemenate, Schlosskapelle, Schatzkammer und Kerker. Fertiggestellt wurde sie im 16. Jahrhundert.


Man fühlt sich ...


... in alte Zeiten ...


... versetzt.


Ein paar Originalmöbel verstärken die Zeitreise noch.


Besonders beeindruckend ist auch die Aussicht vom Burgfried aus - hier der Blick nach Südwesten auf die Salzach flussaufwärts.


Hier auf die ans Flussufer gekuschelte Altstadt mit den kleinen Dächern - übrigens ist die andere Flussseite, also die auf dem Bild rechte, bereits Österreich.


Und hier der Blick vom südwestlichsten zum nordöstlichen Ende der Burg - so lang sind 1051 Meter; links der Wöhrsee, der Badeteich der Stadt.


Zurück im kontemplativen zweiten Burghof ...


... genieße ich die Nachmittagssonne mit einem Kaffee und bin hocherfreut, als ich im Lokal ...


... eine Ankündigung der Lesung entdecke!


Aber bis dahin ist noch viel Zeit, und so durchwandere ich weiter die Burganlage.


Hier ...


... ein ...


... paar ...


... Eindrücke.


Durch enge Gassen hinunter ...


... geht es zurück ...


... auf den Stadtplatz.


Vorbei an der Pfarrkirche St. Jakob ...


.. hinein In die Grüben ...


... dem mittelalterlichen Handwerksviertel.


Dort befindet sich auch die "Street of Fame" mit den Jazzgrößen, die bei der seit 1970 jährlich im März stattfindenden Internationalen Jazzwoche aufgetreten sind.


Noch ein bissel schauen ...


... dann ist wieder einmal eine Pause mit Kaffee angesagt. Burghausen ist wahrlich ein Ziel für einen Kurzurlaub!


Noch geschwind eine Sehenswürdigkeit (der "Grenzbuschen" zu Österreich auf der Salzachbrücke mit Blick auf den Ort Hochburg-Ach) ...


... bevor es zu (exzellenten) Weißwürsten ...


... und einem verdienten Schönheitsschlaf geht.


Gleich gegenüber dem Bayerischen Hof ...


... befindet sich die wunderbar ausgestattete Stadtbibliothek, wo ich Veranstalterin ...


... Christin Möll ganz herzlich begrüßt werde.


Der Andrang des Publikums hält sich in Grenzen.


Ich nehme es mit Humor und gebe mein Bestes - volle Lesung, voller Einsatz.


Und ich werde belohnt - es entspinnt sich ein spannendes Gespräch zwischen dem Publikum, der Buchhändlerin Getraud Munt (Buchhandlung Naue) und mir. Wir haben nach der Lesung noch fast eine Stunde Diskussion und Spaß miteinander. Ein toller Abend.


Danach folgt noch ein Interview mit Jörg Eschenfelder von Kulturzeit - alles in allem trotz mangelnden Besuchs ein sehr befriedigender und schöner Abend.


Am nächsten Tag ein Déjà-vu-Erlebnis :)) ...


... und schon lande ich bei wiederum strahlendem Sonnenschein in Salzburg, meinem nächsten Leseort.


Nach dem Zimmerbezug (Hotel Achat) stürme ich voll Freude ein kleines Café, in dem ich mir einen Kaffee, einen wunderbar politisch unkorrekten Indianer mit Schlag und - ganz böse - eine Zigarette gönne; oh Österreich, du Insel der Seligen!


Proteste sind dort, wo sie hingehören: in der Öffentlichkeit, gut und weithin sichtbar, und nicht auf der Speisekarte einer Konditorei.


Genug des Politischen - jetzt geht es wieder ans Sightseeing; Blick auf die Innenstadt und die Hohenfeste Salzburg mit rechts dem Mönchsberg, den ich erstmals nach vielen Salzburg-Besuchen zu erklimmen gedenke.


Durch die romantische Müllner Hauptstraße
geht es bergan ...


... vorbei an Franz Stelzhammers Wohnhaus (Klavierhersteller) ...


.. und der Augustinerkirche (mit
angeschlossenem Bräu).


Mächtige Festungsanlagen empfangen mich ...


... und romantische Wege zwischen wilder Natur und eingreifender Kultur. Das alles gehört zum Schloss Mönchstein, das leider nur mehr zu besichtigen ist, wenn man ...


... im nunmehrigen sündteuren Hotel übernachtet.


Über an Almen erinnernde Wiesen gelangt man zum Johannesschlössl, dem ...


... Gästehaus des Pallottinerordens.


Ausblick auf die im Süden gelegenen Berge.


Die Wehranlage der Bürgergarde aus dem 15. Jht. an der schmalsten Stelle des Mönchsberges.


Unweit davon hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Innenstadt mit dem Dom sowie auf die Hohenfest, die mein Spaziergangziel ist.


Doch bis dahin passiere ich noch viele nette Ecken und Bauwerke, wie z.B. das Kuppelwieser-Schlössel.


Dann die Hohenfeste Salzburg aus
dem 12. Jht (Baubeginn) ...


... der Sitz der Erzbischöfe, die ja lange die Herren von Salzburg waren.


Viel gäbe es zu berichten ...


... von einer Folterausstellung (quasi
berufliche Fortbildung für jeden Krimiautor :))) ...


... über phantastische Räume ...


... bis zum Salzburger Stier, dem ältesten
noch in Betrieb befindlichen Hornwerk der Welt ...


... aber die Zeit läuft mir davon. Bald startet die Lesung.


Und so husche ich über den berühmten Domplatz, auf dem alljährlich "Jedermann" sein Leben aushaucht ...


... werfe einen Blick auf die Felsenreitschule ...


... und natürlich auf Mozarts
Geburtshaus.


Aus Zeitmangel nur ein Fischsemmerl
mit Blick auf die Salzach ...


... der Tag war bislang wundervoll. Wie wird die Lesung werden? (nochmals Kaffee in dem netten Café vom Nachmittag)


Schauplatz ist das Literaturhaus Salzburg, Anlass das zweitägige Krimifestival ...


... "Peng!", das zum dritten Mal stattfindet.


Vorbesprechung im Büro des Literaturhauschefs Tomas Friedman (re.) mit Kollegin Rita Falk (mit im Bild ihr Mann) ...


... sowie mit meiner lieben Kollegin/Freundin Claudia Rossbacher und dem Kollegen Manfred Koch aus Salzburg. Aber das sind noch nicht alle Lesenden ...


Der Büchertisch ist übervoll - wird es entsprechend viele Käufer geben?


Ich muss mir eine Viertelstunde vor Beginn wohl keine Gedanken machen (im Bildvordergrund Claudias Mann Hannes Rossbacher, der wieder tolle Fotos von uns macht) ...


... die Lesungen werden sogar in einem Nebenraum übertragen.


Und ich darf den Abend starten, einmoderiert von Tomas Friedmann.


Ich lese wieder einmal mit voller Verve :)))


Der nächste ist Manfred Koch, einmoderiert von Christina Repolust.


Dann folgt der am weitesten angereiste Kollege, Deon Meyer aus Südafrika - im Bild mit Tomas Friedmann (re.), Übersetzer ...... ........ (2.v.r.) und Schauspieler Peter Arp (r.), der seinen Text auf Deutsch liest.


Vor allem ist aber das Interview mit Deon Meyer sehr spannend - er schreibt übrigens im Original auf Afrikaans.


Nach der Pause lesen wieder Österreicher, und zwar Claudia Rossbacher ...


... und Bernhard Aichner ...


... sowie schließlich Rita Falk aus Bayern.


Ein höchst vergnüglicher Abend mit sehr netten Plaudereien danach ...


... wodurch ich am nächsten Morgen nicht besonders frisch bin, als es in Allerherrgottsfrühe ...


... auf den Flughafen von Salzburg geht. Nicht besonders viele fliegen mit mir gemeinsam nach Hamburg.


Doch die Hansestadt ist nicht mein wahres Ziel. Mittlerweile ist es halb Zwölf und es liegt noch eine erkleckliche Strecke vor mir ...


Zuerst geht es durch ein mir mitlerweile sehr bekannte (und sattnasse) Landschaft nach Bremen.


Dann in einem übervollen Regionalzug Richtung Norddeich ...


... wobei in Westerstede-Ocholt Schluss ist und wir aus zug/bahntechnischen Gründen in einen Bus umsteigen müssen.


Schließlich erreiche ich um halb Drei Uhr Nachmittag meinen Zielort: Leer, im Osten von Ostfriesland.


Natürlich erobere ich sofort die Stadt - und lande zuerst in der üblichen Fußgängerzone neueren Datums. Sie ist sehr lebendig, nun ja, Leer hat rund 34.000 EW, ist Sitz von Kreisverwaltung, Amtsgericht, Finanzamt und Katasteramt.


Dann gelange ich in eine ruhigere Ecke, die Altstadt.


Leer hat eine sehr lange Geschichte - und wer wissen will, wer die Cirksena waren, der siehe hier.


Jedenfalls wurde die Altstadt von den 70ern bis in die 90er wunderbar renoviert.


Die Große Kirche, die Hauptkirche der Reformierten in Deutschland.


Das Haus Samson aus dem 17. Jht.


Ohne Worte.


Die Alte Waage und das Rathaus ...


... am Freizeithafen.


Ich liebe diese Hafenstimmungen :))).


Nach einem dringend notwendigen Kurzschlaf geht es statt zur angedachten ersten Lesung ...


... in das neue Hafenviertel, wo ich bei einem guten Italiener ...


... mit meiner Kollegin Ulrike Barow und Peter Gerdes, dem Verantwortlichen der 7. Ostfriesischen Krimitage, beplaudere, warum manche Veranstalter/Örtlichkeiten so unzuverlässig sind (denn der ausrichtende Wirt hatte die Sache vergeigt).


Wir plaudern so nett, dass wir uns noch ins Nachtleben von Leer stürzen ...


... und bei ein paar Bieren (und Zigaretten!!!) natürlich auch die Krimiszene durchhecheln :))


Am nächsten Morgen beim Frühstück erlebe ich eine nette Überraschung: Zeitgleich mit mir war mein Hamburger Kollege Jürgen Ehlers (mit im Bild seine Frau) bei den Krimitagen im Einsatz. Wir sehen einander bei jeder Criminale, und einst hat er bei meiner Glauser-Verleihung die Laudatio gehalten :))


Bei wunderbarer Morgennebelstimmung mache ich mich auf den Weg in die Altstadt ...


... wo mir Peter Gerdes stolz das beinahe fertige Taraxacum zeigt.


Das Lokal von Heike und Peter Gerdes in der Rathausstraße ist Buchhandlung, Café und Veranstaltungsort.


Doch dieses Mal bin ich noch in der Stadtbibliothek im Einsatz - auch ein wunderschöner, sehr alter Bau.


Der volle Büchertisch beruhigt mich: Dieses Mal findet die Veranstaltung, eine Brunch-Lesung, statt.


Und der Raum füllt sich bis auf den letzten Platz.


Ein kleines Missgeschick muss ich noch in den Griff bekommen: Meine am Vortag zerbrochene Brille, die ich zu kleben versucht habe, ersetzt mir Bibliotheksverantwortliche Antje Hamer-Hümmling durch eine aus ihrem Bestand für Benutzer. Sie borgt sie mir auch für die Heimfahrt (ohne lesen sieben bis acht Stunden Fahrt? Nein!!!!), ich soll sie ihr zurückschicken. Aber das Päckchen hätte an die 15 Euro Porto gekostet (neue österreichsiche Postgebühren ...), und so schenkt mir die Stadtbibliothek Leer diese Brille - ein wunderbares Andenken an wundervoll hilfsbereite und liebe Menschen. Danke!!!!!


Jetzt, nach dieser Hilfestellung, kann Peter Gerdes launig einmoderieren ... :))) - was lernen wir daraus? Nimm dir als Autor immer eine Zweitbrille mit.


Der Chor "Liederspaß" stimmt die Gäste auf Kriminelles ein.


Dann stürze ich mich in die Lesung ...


... und die Leute sich danach
glücklicherweise auf meine Bücher ...


... und schließlich wir alle uns auf das
köstliche Buffet.


Aber das war es noch nicht. Der wirklich angenehme Chor (3.v.l. Heike Gerdes) stimmt uns erneut ein ...


... und zwar auf Kerstin Körte, die ihren ersten bei Leda erschienen Roman vorstellt. Leider kann ich ihrem Vortrag ...


... nicht bis zum Ende lauschen, denn ich muss mich auf meinen langen, langen Heimweg machen.


Und der hält in Bremen eine Überraschung für mich bereit: Der schnelle Zug nach Hamburg hat Verspätung - über eine Stunde! Es wird knapp bis zum Abflug. Leider keine Möglichkeit mehr, zumindest online einzuchecken. Ich werde leicht nervös. Einen neuen Rückflug zu buchen, wird teuer. Sehr, sehr teuer.


In Hamburg bleibt nur eine rasende Taxifahrt zum Flughafen.


Ebendort bekomme ich glücklicherweise die Erlaubnis, die Fast-Line zu benutzen!


So geht es sich noch aus - sehr, sehr knapp, aber immerhin. Was für eine Reise ... :)))
 
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