Buchmesse in Göteborg/Schweden von 25. bis 28. September 2008

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Ende September: Ich bin im ersten Drittel meines neuen Romanes und somit ganz in der Welt von Maria Kouba ...


... und so wird mir erst angesichts der superkleinen AUA-Maschine (statt gewohnter Air-Berlin oder German Wings) bewusst, dass ich nun die Reise antrete, auf die ich mich seit Jänner freue.


Denn es geht hoch in den Norden nach Göteborg/Schweden - nicht nur meine erste Lesung in diesem Land, sondern meine erste Reise dorthin überhaupt.


Mein Kopf ist voll mit Klischees und Vorurteilen, die ich nun hoffentlich verifizieren kann - das erste, dass es eine Landschaft voller Wälder, Seen und roten Holzhäusern sei, wird gleich beim Landeanflug bestätigt.


Das zweite von den blonden, feschen jungen Männern bestätigt sich ebenfalls in der Person des Chauffeurs, der mich abholt :)))) Er ist Anthropologie-Student und erklärt mir die Entstehung der skandinavischen Sprachen und dass Finnland aufgrund seiner finnougrischen Sprache eigentlich nicht zu Skandinavien gehört, aber sehr wohl Island.


Bei der Fahrt zum Hotel kommen wir bei Göteborgs Messegelände "Svenska Mässan" vorbei, der Ort des eigentlichen Grundes für meine Reise: Ich bin auf die Göteborger Buchmesse, die größte Skandinavische Buchmesse, eingeladen.


Aber ich habe mir eine zusätzliche Übernachtung geleistet, und so gehören der erste Nachmittag und der zweite Tag ganz dem Sightseeing - schließlich komme ich ja nicht alle Tage nach Göteborg.


Und ich habe enormes Glück mit dem Wetter - wobei ich gleich festelle, das ich eine interessante Fremdartigkeit der nordischen Länder, den Unterschied des Sonnenstandes, nicht überprüfen kann. Um die Zeit der Herbstsonnenwende herrschen beinahe dieselben Verhältnisse wie in Wien.


Die Södra Vägan entlang geht es in die Innenstadt. Mich ereilt die nächste Verwirrung: Ich habe zwar satte Preise erwartet, aber 30 Euro für einen Kaffee? Bei meiner verspäteten Erkenntnis schäme ich mich beinahe für meinen naiven Gedanken (woraus man auf meine mangelnde Vorbereitung, die nur aus dem Kauf von zwei Reiseführern bestand) schließen kann: In Schweden bezahlt man natürlich in Kronen (der Kaffee kostet somit umgerechnet 3,80 Euro), aber eine andere Währung als Euro bin ich fast nicht mehr gewohnt :)))


Schweden ist das Land des Sozialismus und der Gleichberechtigung - laut Klischee - na, schauma amal. Auf jeden Fall ist Göteborg die Stadt der Radfahrer.


Göteborg ist nach Stockholm und mit 490.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Schwedens und steht in direkter Konkurrenz zur Hauptstadt, wo immer alles ein bissel schöner und größer ist - angeblich, ich war ja noch nicht dort. Das Haus im Bild zeigt jedenfalls, dass Göteborg damals und heute in der Aufholjagd ehrgeizig war/ist.


Das Sightseeing im engeren Sinne beginnt: das Stora Teatern.


Blick Richtung Innenstadt ...


... die von einem beriten Kanal eingesäumt wird, der an einer Stelle etwa Vallsgraven heißt, was seine ursprüngliche Bedeutung verrät.


Bei dieser Brücke ist ein Verkehrsknotenpunkt, wo sich aber auch neben touristischen Sammelpunkten und Möglichkeiten zum Geldwechseln der entzückende Platz rund um die Markthalle, genannt Saluhallen, befindet. Und natürlich sind noch alle Schanigärten geöffnet.


Die Innenstadt selbst hat zwar einige nette Ausblicke ...


... ist aber durch ihre Schachbrettmusteranlage nicht wirklich kuschelig. Dieser alte Teil wurde von König Gustav II Adolf 1621 gegründet - nach holländischem Vorbild.


Das politische und administrative Zentrum "Gustav Adolfs Torg" mit Rathaus, Stadthaus und Börse, gelegen am Stora Hamn Kanalen.


Am Stora Hamn Kanalen: dieses (Radfahrer)Bild erinnert wirklich an die Niederlanden :))).


Schließlich erreiche ich den Hafen - im Bild die historischen Schiffe mit dem 86 Meter hohen Utkiken im Hintergrund, den die Einheimischen "Lippenstift" nennen.


Gegenüber befindet sich das Opernhaus von 1994.


Den Namen dieser netten folkloristischen
Figur konnte ich leider nicht herausfinden.


Und ich bin extrem glücklich - wie immer
in großen Häfen.


Ohne Worte. - Der Hafen von Göteborg ist mit seinen 17 Kilometern (!) Kailänge übrigens der größte Hafen von Schweden.


Das Kronhuset von 1643 ist das älteste
Gebäude von Göteborg. Es diente der
Artillerie als Speicher.


Mein erstes Krabbenbrötchen - sehr
üppig und so gesehen sowie auch
vergleichsweise günstig um umgerechnet
5 Euro.


Die Kristine Kyrkan von 1746 und
J. A. Reuss, die auch Deutsche Kirche
heißt.


Wieder am Stora Hamn Kanalen.


Einkaufsparadies mit Ware, die überwiegend nicht Teil des Hundmundzaraunddergleichen-Einheitsbrei ist.


Anfang des 20. Jahrhunderts hoffte man wohl, mit größtmöglichen Fenstern mehr von der halbjährlich wenig vorhandenen Sonne einzufangen.


Die Dom Kyrkan, die 1825 vollendet wurde.


Schweden ist ja eine Hochburg der Protestanten, und Kirchen dieser Glaubensrichtung wirken auf mich immer wie Wohnzimmer von Bürgerversammlungen - meistens sehr gemütlich (im Gegensatz zum "Eindrücklichen" von katholischen Kirchen).


Der Prachtboulevard Kungsportsavenyn, auf den alle Göteborger hinweisen, der mich aber nicht sonderlich beeindruckt - billige und teilweise pleite gegangene Geschäfte.


An dessen Ende, dem Götaplatsen, befinden sich das Stadsteatern ...


... und das Kunstmuseum samt Kunsthalle.


Am Ende meines Rundganges sehe ich endlich mein erstes Holzhaus :)))) - es ist Teil der Universität, die über ganz Göteborg zerstreut ist.


Dann stürme ich endlich die Messe -
um die Person abzuholen, die mich
eingeladen hat.


Thema 2008 ist Lettland. Und wenn man
vom Haupteingang auf die Messegröße rückschließt, scheint Göteborg ein bisschen
kleiner als Frankfurt zu sein ...


Gleich beim Eingang ist der Stand des Zentrums für Österreichstudien (Hochschule Skövde), die dieses Mal den Schwerpunkt Krimi hat.


Die Leiter des Zentrums für Österreichstudien sind Wolfgang Malik (l.), der mich auch eingeladen hat, und Gerd Hollenstein.


Sie führen mich in eines DER Lokale von Göteborg aus, in "Manfred's", das von einem Österreicher geführt wird.


Ich schaffe es trotzdem, meinem Motto "Iss einheimisch" treu zu bleiben, indem ich Fisch bestelle.


Beim Frühstück am nächsten Morgen lerne ich dann zufällig die schwedische Krimiautorin Aino Trossel kennen. Der "Fachaustausch" ist ein vergnüglicher Start in den Freitag.


Mein Stadtspaziergang am zweiten Tag führt mich als erstes durch eines der weitläufigen Gebiete der Univbersität von Göteborg. Interessanetrweise sind die Institute in an Privatvillen erinnernden Gebäuden untergebracht.


Die Vasa Kyrkan.


Und wieder fasziniert mich das Wohnzimmerhafte dier Kirche.


Das Hauptgebäude der Universität ...


... gelegen am Vasagatan, einem der vielen Prachtboulevards von Göteborg.


Dort gönne ich mir einen Espresso (und bewundere die vielen verschiedenen Kuchensorten), während mir eine schwedische Eigenart auffällt: Es gibt kein Café oder Imbisslokal, wo serviert würde, man muss sich immer alles am Tresen holen. Angeblich hat das etwas mit Chancengleichheit zu tun, denn so kann niemand bevorzugt behandelt oder übersehen werden ... nur warum gilt das nicht bei Abendlokalen?


Mein nächstes Ziel ist Haga, ein ehemaliges Arbeiterviertel, das seit den 80er-Jahren revitalisiert wird.


Es lockt nun mit den für den Norden
typischen Holzhäusern ...


... mit vielen Geschäften und Lokalen ...


... und mit netten Wohnungen in alten Ziegelbauten.


Vorbei an verschiedenen Stilepochen ...


... vonm denen manche eine gewisse Eleganz vermissen lassen ...


... geht es zum nächsten historischen Viertel, dessen Beginn das Gathenhielmska Huset darstellt.


Es wurde 1740 erbaut und als erstes Haus in Göteborg unter Denkmalschutz gestellt.


Von da an ...


... wird es ...


... sehr heimelig.


Nette Gässchen umrahmen ...


... das Gathenhiemska Kulturreservatet mit Wohnhäusern aus den 1720er-Jahren.


Ein idealer Platz, um zu pausieren - natürlich wie immer im Freien, da ja generelles Rauchverbot herrscht.


Dann geht es am Hafen entlang ...


... in die Innenstadt zurück, wo ich die legendäre Feskekörka ("Fischkirche") besuche.


Es ist schon ein wahrer Genuss, so richtig frische Scampi mit dem Blick auf Wasser und mit Salzgeruch in der Luft zu genießen.


Wieder am Stora Hamn Kanalen ...


... dieses Mal bei den Centralstationen - der älteste Bahnhof Schwedens aus dem 19. Jahrhundert.


Im Laufschritt noch ein paar Eindrücke von Göteborg ...


... die Residenz von 1650 (rechts im Bild), das ältese noch bewohnte Gebäude der Stadt (derzeit Diensträume des Regierungspräsidenten von Västra Götaland) - ich hab sie mir etwas pompöser vorgestellt, aber Protz ist in den evangelischen Ländern ohnehin wenig zu finden.


Ein Haus mit Markierung - ich weiß bis
jetzt nicht, für was genau, es schaut
nach Temperatur aus, weil es in der Mitte
eine Null hat, aber es leuchtet nichts.
Vielleicht ist die Anzeige kaputt oder für
ganz was anderes.


Nach diesen vielen Kilometern (ich bin den ganzen Tag NUR gegangen) brauche ich dringend Erholung, denn der erste so richtig offizielle Termin steht am Abend an.


Beim Messegelände (dem gegenüber sich der bekannte Freizeitpark Liseberg, im Bild, befindet) ...


... treffe ich Maria Neij, eine Literaturwissenschaftlerin, die am nächsten Tag eine der Veranstaltungen moderieren wird.


Wir gehen zum Empfang des Bürgermeisters in der Börse - anlässlich der Buchmesse. Ich bin schon ganz gespannt auf das Trara, und das persönliche Händeschütteln eines jeden Gastes ist ein passender Beginn :))) ...


... dann fallen wir über das Buffet (im tatsächlichen Sinne, es gibt kein Ausweichen)
mit allen schwedischen Köstlichkeiten, die
es so gibt ...


... aber das war es auch schon. Kein Rede, keine Musik, nichts. Man beschäftigt sich mit Smalltalk und Geschäftemachen. Ein Kreisen zwischen den Stehtischen beginnt. Als Autorin ist man da relativ fehl am Platz.


Und so genieße ich relativ bald vor meinem Hotel eine kleine Flasche Bier und eine Zigarette und resümiere zufrieden den eindrücklichen Tag. Man beachte die kurzen Ärmeln - und das Ende September. Ich habe wirklich Glück mit dem Wetter.


Der ganze nächste Tag, der Samstag, gehört der Buchmesse - bei der sehr, sehr viele Menschen hineinwollen (man beachte die Schlange im Hintergrund).


Zuerst einmal machen wir ein offizielles Foto am Stand für Österreichstudien - (v.l.) Karina Malik, Claudia Köck (Kulturbeauftragte der Österreichischen Botschaft), S. N., Wolfgang Malik und Kurt Bäckström, der ehemalige Leiter des Österreichzentrums.


Danach erzähle ich Claudia Köck für ihre Rede beim Empfang der drei deutschsprachigen Botschaften am späten Nachmittag ein bisschen etwas über die österreichische Krimiszene, die ja mit mehr als 50 Mitgliedern schon sehr beeindruckend ist.


Dann schaue ich mich einmal auf der Messe um, die nicht nur vermutet, sondern tatsächlich sehr überschaubar ist.


Spannend ist das "Kreuzverhör auf der Deckarenbühne", wo ich an diesem Tag auch noch stehen werde, doch dazu später. Hier werden gerade Hakan Nesser und Kjell Eriksson in die Mangel genommen.


Der Vorteil auf dieser Messe: Es gibt eine Speakers-Lounge für DiskutantInnen und AutorInnen - mit wenig Lärm und Gratis-Versorgung.


Dort treffe ich auf Barbara Kapek (Mitte, daneben eine Freundin). Sie ist u.a. Dolmetscherin und wird später das "Kreuzverhör" führen.


Doch zuerst geht es in einen ziemlich gut gefüllten Seminarsaal ...


... wo Maria Neij mit Christa von Bernuth und mir über die "Weiblichen Wallanders" diskutiert. Wir diskutieren auf Englisch und lesen kurze Stellen auf Deutsch.


Dann folgt vor ebenfalls viel Publikum ...


... das besagte, ebenfalls auf Englisch geführte Kreuzverhör mit Christa von Bernuth und mir, geleitet von Barbara Kapek.


Den Abschluss des Messetages bildet der Empfang der drei deutschsprachigen Botschaften, die für diese Messe erstmals unter dem Motto "Brottsplats Tyskland, Österrike und Schweiz" zusammengearbeitet haben - im Bild ............... .... (Mitte, Deutschland), Ivo Sieber (2.v.r., Schweiz) und Claudia Köck (r., Österreich).


Auf diesem Empfang kommen erstmals alle deutschsprachigen Vertreter zusammen: S.N. (A), Christa von Bernuth (D, 2.v.l.), Paul Ott (CH, 2.v.r.) und Andrea Maria Schenkel D, r.). Die beiden letzteren haben ebenfalls eine Veranstaltung miteinander durchgeführt.


Abschiedsfoto von Wolfgang Malik, der mich auf den diesen schönen Aufenthalt eingeladen hat.


Abschiedsessen in einem Lokal in Haga auf Einladung des Goethe-Instituts.


Das letzte Mal ausgiebig Fisch in allen Varianten zum Fühstück (aber die Vorfreude klopft bereits an, denn im November geht es nach Helsinki).


Während ich auf den Shuttle zum Flughafen warte, begebe ich mich langsam wieder in die Welt, die mich daheim erwartet - jene der Humangenetik.


Auch dieses Mal ist die Plauderei mit dem Chauffeur sehr spannend, denn er ist Makedonier und fassungslos sowie hemmungslos begeistert, dass jemand (ich) sein Land kennt. Während meines Urlaubes vor einem Monat war ich dort zwei Tage.


Ein letzter Blick auf die Seenlandschaft - ich bin vom Norden infiziert. Aber bald schon, in eineinhalb Monaten, kann ich meine Studien fortsetzen, da geht es dann nach Finnland.


Aber jetzt einmal freue ich mich auf mein heißgeliebtes Wien (im Bild die Donau), um all die Eindrücke zu verarbeiten und - ja, einen Roman zu schreiben :))).
 
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