Lesereise Berlin - Leipzig - München 13. bis 17. März 2008



Er ist ein wunderschöner Morgen, der 13. März, zumindest in Wien, und er ist fast irreal ...


... denn ich fliege knapp einen Monat vor dem Start der Criminale in Wien, dem größten deutschsprachigen Krimifestival, dessen Projektleiterin ich bin, einfach so - so scheint es mir - für ein paar Tage weg.


Die offizielle Begründung ist die Teilnahme an der Leipziger Buchmesse und am Krimifestival München, doch davor (und weil ich sowieso diesen Anreiseweg nehmen muss), gönne ich mir zwei Tage Berlin - das mich allerdings mieselsüchtig mit Regen empfängt.


Am Flughafen Tegel werde ich dankenswerterweise von meinem Freund und Quartiergeber Gerhard Vondruska und seiner Freundin Astrid abgeholt, denn zu allem Überfluss streiken in Berlin auch die öffentlichen Verkehrsmittel.


Aber ich lasse mir die Urlaubsstimmung nicht vermiesen, also vermumme ich mich wettergerecht und gehe zu Fuß von meinem Prenzlauer Berg Richtung Zentrum.


Überall wird fleißig gebaut, es scheint eine richtige Aus- und Umbaumanie zu herrschen ...


... und so präsentieren sich mir die ehemals vertraut abgefuckten Hinterhöfe ausgesprochen stylish.


Und die Dachwohnungen schießen wie Schwammerl aus den Altbauten - die Wandlung erinnert mich sehr an jene vom Spittelberg in den 80er- und 90er-Jahren. Für Berliner sind die Preise auch dementsprechend - für Wiener sind sie noch immer erschwinglich. Aber wahrscheinlich nicht mehr lange.


Auch der Alexanderplatz ist mit Baukränen zugeplastert - ich muss leider anmerken,
dass die Renovierung nicht wirklich gelingt,
man macht aus einem hässlichen Platz mit Ostblockcharme einen hässlichen Platz ...


In der Nähe des Bahnhof Zoo bin ich dann mit meiner lieben Kollegin Elisabeth Herrmann zum Mittagessen verabredet, und wir haben - wie es KrimikollegInnen immer haben :)))) - viel zu beplaudern.


Dann arbeite ich mich zu Fuß weiter durch die Stadt. Viel scheint sich seit meinem letzten Aufenthalt geändert zu haben, ich muss sie mir genau anschauen - im Bild die Gedächtniskirche ...


... das KaDeWe (Kaufhaus des Westens) ...


... am Potsdamer Platz ...


... Werbung mit Mauerstück und Touristen.


Am Abend begebe ich mich dann in die Oranienstraße in Kreuzberg, einer Fortgeh-Gegend, zum Lokal "Max & Moritz" ...


... wo ich dann einen netten Abend mit einem Teil der Berliner "Mörderischen Schwestern" verbringe.


Am nächsten Tag peile ich wiede den Alexanderplatz an (im Bild das Rote Rathaus) ...


... bedaure, dass vom ehemaligen "Palazzo prozzo" (dem ehemaligen Palast der Republik) nur mehr ein Skelett steht (er wird angeblich wegen des Asbests geschliffen, an seiner Stelle soll das ehemalige Schloss wieder aufgebaut werden - nun ja, ich finde die Verdrängung der Vergangenheit bedauerlich) ...


... und stürme die Museumsinsel, weil die Kälte unerträglich ist :))) - im Bild das Alte Museum.


Von den vielen Highlights des mehrstündigen Museumsbesuches seien hier nur der Kopf der Nofretete ...


... und die Nachbildung des Ischtartores genannt.


Dann werde ich wieder von Astrid und Gerhard eingesammelt. Wir gehen asiatisch essen - was aufgrund der vielen kleinen Lokalen sehr günstig ist und das Überleben relativ gesund ermöglicht.


Danach gönnen wir uns in der Kulturfabrik ein paar Bier, einer der wenigen Orte, wo man rauchen darf; mit im Bild unsere liebe Freundin Annette Köhler. Sie ist Bankerin, und so bin ich sehr gespannt, was sie zu meinem aktuellen Buch "Der letzte Engel springt" sagt, das ja mit gierigen Managern abrechnet ... es wird ein sehr vergnüglicher Abend. :))


Am nächsten Tag geht es dann vorbei am superneuen, supertollen Hauptbahnhof von Berlin, der sozusagen mitten in der Landschaft steht und dem es schon einmal das Dach weggeblasen hat :))) ...


... mit dem Zug und Döner-Kebap-Frühstück (mehr ging sich nicht aus, da die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Berlin aufgrund besagten Streiks die absolute Herausforderung und Verzögerung war) ...


... nach Leipzig, dessen Bahnhof (1909-13) mich jedes Mal aufs Neue fasziniert, ist er doch mit 24 Banhsteigen der größte Kopfbahnhof Europas und außerdem ein eindrückliches und einladendes Einkaufszentrum ....


Auch mein Hotel ("Vivaldi") war faszinierend ... :))


Das Wesentliche ist aber natürlich das Messegelände.


Motive wie aus einem Werbeprospekt.


Und dann geht das Gewusel los ...


Ich kämpfe mich zum Wiener Café durch, wo meine Lesung stattfinden soll - die lange und durchgehend vorhandene Schlange, die sich um österreichische Mehlspeisen und Kaffee anstellt, gibt Hoffnung, dass die Lesung gut besucht sein wird.


Ich flüchte aber zum Durchatmen in einen der Innenhöfe - und treffe die erste Bekannte: Silvia Bartl vom Literaturhaus :))


Dann besuche ich Pamela Männel von Rotbuch, die seit der Übernahme meines alten Verlages durch die Eulenspiegel-Gruppe für mich und meine ersten drei Kouba-Bücher Lesungen zu organisieren versucht.


Ein Gespräch führe ich auch mit Jürgen Wohltmann, der für den Vertrieb zuständig ist.


Nach der Dichte von Gewusel und Gesprächen ist wieder einmal Pause angesagt. Bei Messen beneide ich die Aussteller nicht, sie müssen den ganzen Tag das ständige Gesumme der tausenden Stimmen, den Sprühregen von Eindrücken und Gesprächen sowie die schlechte Luft aushalten - wobei Leipzig im Vergleich zu Frankfurt noch leicht erträglich ist ...


Ausgelüftet und gestärkt kehre ich zum Wiener Café zurück, das vom Österreichischen Buchhändlerverband ausgerichtet wird und wo sich auch der EchoMedia-Verlag präsentiert.


Dort treffe ich zu meiner großen Überraschung meine lieben Freunde Eldad Stobezki und Lothar Ruske, die sich meine Lesung anhören.


Dann regiert 30 Minuten lang Maria Kouba.


Direkt nach meiner Lesung schließt die Messe, und die Massen kehren in die Innenstadt von Leipzig zurück - ein Gedränge-Erlebnis der besonderen Art :))).


Die Stadt selbst ist festlich bunt beleuchtet, starten doch nun an vielen Orten die Abendlesungen, wie hier im Gasthaus "Alte Nikolaischule".


Mini-Sightseeing: die Passage im Hansa-Haus.


Das Alte Rathaus (16 Jht.) mit Blick auf die Alte Handelsbörse (17. Jht.) an der Stirnseite.


Die "Mädlerpassage" von 1912: Der Kofferfabrikant Anton Mädler ließ sie nach dem Vorbild der Mailänder Galleria Vittorio Emanuele erbauen.


Dort befindet sich auch der berühmte "Auerbachs Keller" (16. Jht.), wo Goethe eine Szene in "Faust" spielen ließ.


Endlich einmal will ich dort gegessen haben, und so stelle ich mich mit zig anderen Menschen um einen Platz (nicht Tisch!!!) an. Mit acht anderen mir unbekannten, zum Glück netten Menschen esse ich dann die Tagesspezialität, Rehbraten. War nett, aber das Thema "Auerbachs Keller" ist hiermit erledigt.


Ich setze meinen Rundgang durch die Stadt fort (im Bild nochmals die Alte Handelsbörse, bei der die Lesung nach außen übertragen wird) ...


... aber ich habe keine Chance, irgendwo noch ein Plätzchen zu finden, jedes noch so versteckte kleine Theater ist ausverkauft. So eine Abendlesung würde mir einmal gefallen ... :))


Ein einsamer Moment/Abend - was es auch manchmal auf Lesereisen gibt.


Dafür geht es am nächsten Tag ausgeschlafen in die Weite von Sachsen ...


... auf den kleinen Leipziger Flughafen in Halle, wo gerade ein Volksfest stattfindet (im Bild eine volkstümliche Gruppe). Der Flughafen als Gemeindehaus - eine neue Idee ...


Und auch das Flugzeug, das mich nach München zum "Münchner Krimifestival" bringt, ist klein :))) Ich bekomme fast ein schlechte (Öko)Gewissen, aber die Zugfahrt wäre sehr, sehr lange gewesen.


Die U-Bahn-Station in München, bei der ich aussteigen muss, kommt mir bekannt vor - habe ich doch beim um die Ecke vom Max-Weber-Platz in Haidhausen die ersten paar Mal bei Lesungen in München gewohnt. Ein fast heimeliges Gefühl steigt hoch.


Mein Hotel, der "Prinzregent am Friedensengel", ist allerdings nicht nur mein Hotel, sondern auch mein Leseort ...


... denn unter der liebevollen Betreuung von Direktorin Elisabeth Petermaier (Mitte) und Festival-Macherin Angela Eßer (2.v.l.) bestreiten meine liebe Kolleginnen Ingeborg Struckmayer (l.) und Beate Maxian (r.) sowie ich das "Literarische Stundenhotel".


Angela Eßer erklärt vor vollem Haus das Prozedere: Nach der Vorspeise suchen sich die Gäste ein Zimmer aus, wo eine von uns liest. Nach dem zweiten Gang wechselt man das Zimmer zur nächsten Autorin usw. Die Vorstellung ist auch zu sehen unter Eröffnung.


Und schon die Vorspeise, eine Variation von Sülzchen ...


... macht gute Stimmung bei uns; mit dabei auch Aveleen Avide (2.v.l.), eine Münchner Autorin, die sich der Erotik verschrieben hat.


Und sie macht während unserer Lesungen
auch für ihre Website einen Mitschnitt -
Bewegtes Bild siehe Lesung Naber.


Und wer angesichts dieser Köstlichkeiten einen Gusto bekommt (im Bild die Hauptspeisen-Variationen mit einem wirklich exzellenten Erdäpfelsalat zum Mini-Schnitzel) ...


... der besuche das Krimifestival München, jeweils im Frühjahr.


Am nächsten Tag holen mich zahlreiche
Mails die Criminale betreffend geistig
schon wieder nach Wien zurück ...


... doch vor der Rückreise absolviere ich bei passendem Wetter noch einen traurigen Gang, denn am Ostfriedhof wird die von uns allen sehr geschätzte und unerwartet verstorbene Gabriele Fauser zu Grabe getragen. Ich werde die anregenden Gespräche mit ihr in ihrer Krimibuchhandlung Glatteis nie vergessen.


Bewegte und bewegende Tage finden ihr Ende.
 
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